[Event "Bayerischer Mannschaftspokal"]
[Site "Augsburg"]
[Date "2026.06.28"]
[Round "2"]
[White "Josch, Sylvio"]
[Black "Vuckovic, Zarko"]
[Result "1-0"]
[ECO "C55"]
[WhiteElo "2147"]
[BlackElo "2409"]
[PlyCount "93"]
[GameId "2361088954277996"]
[EventDate "2026.??.??"]
[WhiteTeam "Roter Turm München"]
[BlackTeam "Schachfreunde Augsburg"]
{[%evp 0,93,18,3,15,32,16,83,21,21,31,22,17,105,24,5,45,1,21,7,4,3,13,17,9,1,1,3,-8,13,14,13,12,11,3,-6,7,-1,1,-11,8,-7,4,-3,-81,-23,-115,-23,-161,-21,-72,0,1,-35,8,-90,11,1,-38,-1,56,8,37,83,75,89,95,77,127,97,113,100,206,158,151,146,1,254,374,267,513,401,606,348,581,591,614,449,594,628,632,606,630,161,596,614]} 1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 (3. Nc3 {Mit dem Vierspringerspiel bekam ich in der Vergangenheit gegen Augsburger Spitzenspieler recht gut Stellungen. Aber ich entschied mich, einer möglichen Vorbereitung aus dem Weg zu gehen.}) 3... Nf6 {In meiner Jugend galt dieser unternehmungslustige Zug noch als extravagant. Heutzutage spielt nahezu niemand mehr Lc5 - zumindest nicht gegen mich.} 4. d3 {Gibt dem Spiel einen langsamen, positionellen (altersgerechten?) Charakter. Obwohl Weiß objektiv nicht auf Eröffnungsvorteil hoffen darf, zeigt die Praxis, dass Schwarz bei unachtsamen Spiel durchaus in große Schwierigkeiten kommen kann.} (4. Ng5 {Mangels Vorbereitung scheute ich den prinzipiellen, konkreten Weg. Es war nicht schwer anzunehmen, dass ein Gegner dieser Klasse seine Eröffnungen hervorragend kennt.}) 4... Be7 (4... Bc5 {Wird in etwa gleichhäufig gewählt - eine Geschmacksfrage.}) 5. c3 {Die schwarze Entscheidung ist nun, das verpflichtende d5 zu spielen oder nicht.} O-O 6. O-O d6 {Auch hier war noch d5 möglich, aber es wäre schon etwas überraschend gewesen.} 7. Nbd2 (7. a4 {Ein modernerer Ansatz, bei dem der weißfeldrige Läufer auf der attraktiven Diagonale a2-g8 verbleiben soll.}) 7... Na5 {Ein Standardmanöver, mit dem Schwarz Raum am Damenflügel erobert.} 8. Bb5 {Es ist wichtig, eine Fluchtroute zu haben.} c5 (8... a6 {Nur Zugumstellung.}) 9. Re1 {Macht Platz für den Sd2 und ist auch gegen ein schwarzes d5 gerichtet.} a6 10. Ba4 b5 11. Bc2 {Passiv aber der schwarze Sa5 ist keinesfalls besser postiert.} Nc6 {Manöver abgeschlossen.} 12. Nf1 {Ebenfalls Standard. g3 und manchmal auch e3 sind schöne Zielfelder.} h6 $10 {Vermutlich um Lg5 nicht zuzulassen. Die Stellung ist ausgeglichen.} 13. Ng3 {Weiß träumt davon, sollte Schwarz "nichts" tun, ein kostenloses Druckspiel am Königsflügel aufzubauen.} Re8 14. h3 {Kein Abwartezug, sondern mit zwei konkreten Absichten gespielt. Zum einen wird nach eventuellem d4 das störende Lg4 ausgeschlossen. Zum anderen wird die Springerroute Sf3-h2-g4 eröffnet.} Be6 15. d4 {Ein Spiel im Zentrum erschien mir begründeter als am Königsflügel, eine korrekte Einschätzung.} cxd4 {Diesen und die nächste Züge spielte Schwarz a tempo. In der Tat darf Schwarz den weißen d-Bauern nicht einengend nach d5 vorrücken lassen.} (15... Bd7 $2 16. d5 $16 {und sein Raumvorteil eröffnet Weiß alle Möglichkeiten.}) 16. cxd4 exd4 17. Nxd4 Nxd4 18. Qxd4 {Die Lage im Zentrum ist kaum wiederzuerkennen.} Rc8 {Alle schwarzen Figuren sind gut postiert, was den schwächlichen d-Bauern voll kompensiert.} 19. Bb3 {Eine typische Rückkehr des Läufers auf "seine" Diagonale. Ich wollte einfach nur möglichst aktiv spielen um nicht unter Druck zu geraten. Die Bauernstruktur nach Lxb3 wäre zwar hässlich, aber mehr auch nicht.} d5 20. e5 {Offensichtlich der einzige Weg, die schwarze Spielweise herauszufordern. Für eine weitere Öffnung der Stellung wäre Schwarz besser gerüstet als Weiß.} Nd7 {Für mich war der weiße Plan offensichtlich: den Vormarsch des schwarzen d-Bauern verhindern, d4 kontrollieren und besetzen, dabei e5 nicht verlieren, danach die Bauernmehrheit am Königsflügel in Bewegung setzen.} 21. Be3 Bc5 22. Qd1 {Weniger naheliegend als Dd2, geht aber schwarzen Fesselungstricks in der d-Linie (nach d4) aus dem Weg.} Bb4 {Nach langem Nachdenken gespielt.} (22... d4 {Trotzdem möglich.} 23. Bxd4 Bxb3 24. axb3 Bxd4 25. Qxd4 Nxe5 {ist remisverdächtig.}) 23. Bd2 Bf8 {Kämpferisch. Der Läufer kann ggf. via g7 eine weitere Diagonale nutzen.} (23... Bc5 24. Be3 {Natürlich hatte Schwarz daran kein Interesse.}) 24. Bc3 {Aufreizend langsam aber dennoch zielstrebig.} (24. f4 $1 d4 {Erschien mir zwar aussichtsreich, aber auch eher unklar. Ich war zu faul, dafür meinen bequemen Plan aufzugeben.}) 24... Nc5 25. Bd4 {Ein weiteres Teilziel ist erreicht.} Qh4 $1 {Blickt von der Seite nach d4. In Stellungen mit dem Springer auf g3 statt auf f3 muss mit diesem Zug immer gerechnet werden.} (25... Nxb3 $6 {Würde d4 de facto aufgeben.}) 26. Bc2 g6 27. Qd2 $2 {Sieht positionell grundsätzlich einleuchtend aus, lässt aber einen dynamischen Gegenschlag zu. Man sollte nie vergessen, dass im Schach das Konkrete über dem Allgemeinen steht.} Bd7 $2 {Schwarz verpasst seine Chance.} (27... Bxh3 $1 {Zu meinem Glück alles andere als offensichtlich. Die Hauptidee liegt nicht im Königsangriff, sondern in der schnellen Räumung des Feldes e6 für den Springer.} 28. gxh3 $2 {scheitert nun an} Ne6 $1 {Entreißt Weiß die Kontrolle über d4, wodurch seine Stellung bald zusammenbricht. Ein Beispiel:} 29. Ne2 Rc4 30. Rad1 Nxd4 31. Nxd4 Bb4 32. Qe3 Bxe1 33. Bb3 {Ein Mogelversuch.} Rxe5 $3 {Alle machen mit. Auch die schwarze Stellung hat reichlich Potenzial.} 34. Qxe5 Bxf2+ 35. Kg2 Bxd4 36. Qb8+ Kg7 37. Bxc4 Qf2+ 38. Kh1 Qf3+ 39. Kh2 Qxd1 $19 {Es droht Matt, der Lc4 hängt und 3 Bauern fehlen schon.}) 28. Rad1 Ne6 {Mit dem Turm auf d1 ist Weiß nun darauf vorbereitet.} 29. Bb3 Bc6 {Ab hier fühlte ich mich sehr wohl - zu Recht. Auf der Diagonale a8-h1 ist dieser Läufer nahezu komplett aus dem Spiel. Es braucht viel Fantasie, um für Schwarz aktive Möglichkeiten zu finden.} (29... Nxd4 {Würde mit einem Opfer des Bauern d5 in ein Endspiel abwickeln, das für eine Engine klar remis ist aber für die allermeisten Menschen wohl nicht.}) 30. Ne2 $1 $14 {Überdeckt die kritischen Felder d4 und f4 und ermöglicht den Vormarsch des f- und/oder g-Bauern.} Bb7 {Der letzte Zug des Läufers in der gesamten Partie.} (30... b4 $5 {Rückblickend wäre es vielleicht gut gewesen, "irgendetwas" zu probieren.}) 31. f4 {Der nächste Meilenstein ist erreicht. Spätestens jetzt war beiden Spielern klar, dass es für Schwarz wirklich ernst wird.} Nxd4 32. Nxd4 {Perfekte Harmonie.} Bc5 {Darauf musste Weiß natürlich vorbereitet sein.} 33. Kh2 {Die einfache Parade verbessert sogar die weiße Stellung gefahrlos weiter.} Rcd8 (33... Bxd4 34. Qxd4 a5 {Hätte zwar akute Gefahren gebannt, aber sich eine langwierige, schwierige Verteidigung auferlegt.}) 34. Nf3 $1 {Wohl der wichtigste Moment der gesamten Partie. Weiß entscheidet sich, das Manövrieren zu beenden (auch mit Blick auf die beiderseits knapp gewordene Bedenkzeit) und einen Königsangriff zu starten. Zuerst wird vorbereitend die aktive Dh4 vertrieben.} Qe7 (34... Qh5 $4 35. g4 {verliert die Dame.}) 35. f5 {Sieht so gefährlich aus (und ist es auch), dass ich es a tempo zog.} Bb4 $2 {Hatte ich gar nicht gesehen (tja, siehe Anmerkung zum vorigen Zug). Vielleicht ging mein Gehirn auch einfach automatisch darüber hinweg. Zu meinem Glück ist der Zug nicht einfach nur unbedeutend sondern sogar ein Fehler der im höheren Sinne die schwarze Niederlage besiegelt.} (35... Qf8 {Rückzug war nötig.} 36. fxg6 fxg6 37. Re4 $1 $16 {Nebst Turmschwenk. Weiß steht schon nahezu auf Gewinn.}) 36. Qxh6 $18 {Dringt durch.} Bxe1 {Der Qualtitätsverlust ändert sehr wenig an der Stellung.} 37. Rxe1 $1 {Sehr souverän. Weiß erkennt, dass der Angriff nicht überstürzt werden muss.} Qf8 38. Qg5 {Lässt den Druck auf g6 und schielt auch auf den Td8.} Qg7 39. f6 $1 {Auf den ersten Blick ein vollkommen unsinniges Abschließen der Stellung. Aber der Vorstoß e6 ist nur verschoben und wird später noch kräftiger sein.} Qh7 40. e6 {Viele Züge gewinnen hier, da die schwarze Stellung kaputt ist. Aber dieser Vorstoß ist programmatisch.} (40. Qg3 Bc8 41. Ng5 Qh5 42. Re4 $1 Bf5 (42... dxe4 43. Bxf7+ Kh8 44. Bxe8 Rxe8 45. f7 Rf8 46. e6) 43. Rh4 Qe2 44. Rh7 Rd7 45. Rg7+ {nebst Matt.}) (40. g4 {Ein närrischer Zug, der die schwarze Dame aussperrt.}) 40... Qh5 $1 {Noch der beste Versuch, Weiß vor Entscheidungen zu stellen.} (40... fxe6 41. Ne5 $18) (40... Rxe6 41. Rxe6 fxe6 42. f7+ Qxf7 43. Qxd8+ $18) 41. Qxh5 {Damentausch im Königsangriff? Erneut ein scheinbar kontraproduktiver Zug. Aber tatsächlich gelang es mir dank eines lichten Moments, hier bereits das Partieende vorherzusehen.} (41. e7 Rd6 42. Qf4 $18 {Stand dank des Superbauern e7 als unkomplizierter Gewinnweg zur Verfügung. Aber wenn es die Stellung schon mal hergibt, wollte ich auch schön spielen.}) 41... gxh5 {Allein schon, dass dieser Zug nicht umgehend gespielt wurde, spricht Bände.} 42. Ng5 {Die eher stille Pointe. Ein weißer Bauer droht alptraumhaft auf f7 zu erscheinen.} Rxe6 {Der einzige Verteidigungsversuch dagegen.} (42... Rf8 43. e7) 43. Rxe6 $1 {Folgerichtig und noch stärker als Sxe6. Der weiße Bauer auf f7 wird doch real. Die Verhinderung der dann drohenden Umwandlung überlässt Weiß je nach Variante 1 oder 2 Mehrfiguren. Schwarz gab deshalb auf. Es verblüfft natürlich, wie machtlos Schwarz gegen einen einzelnen Bauern und einen Springer ist.} fxe6 44. f7+ Kh8 45. Nxe6 Rb8 46. f8=Q+ {Damit könnte man sogar noch warten.} Rxf8 47. Nxf8 $18 {Wichtiges Detail: es musste vorausberechnet werden, dass der weiße Springer in allen Varianten nicht im gegnerischen Lager gefangen wird.} 1-0